Neurodivergenz – mein Background

Stand: 04/2026

Erfahrung & Engagement

Ich verfüge über langjährige Erfahrung in Community-Spaces und Advocacy-Arbeit, zum Beispiel:

  • Workshops & Austausch: Leitung von Austauschrunden und Workshops mit Schwerpunkten Neurodivergenz, Kink und Konsens, u.a. bei Veranstaltungen von smjg e.V. / smjg Alumni e.V., European Rigger and Model Exchange (EURIX) und mehr.
  • Speaker:in bei Queerpride 2025
  • Referent:in beim Seminar Neurodiversity and Gender der LAG Mädchen und junge Frauen in Sachsen e.V.
  • c3auti @ 38c3/39c3: Support als "Elder Angel" (Betreuung von neurodivergenten Menschen in Krisensituationen und Beratung).
  • Hauptorganisator:in der Neuroqueeren Community Dresden
  • Neurodiversity Community of Practice bei elevait GmbH & Co. KG.

Persönlicher Background

Ich habe im Kindesalter eine “ADHS”-Diagnose erhalten und viele Jahre über Medikamente (Concerta) genommen. Diese habe ich jedoch auf eigenen Wunsch (und gegen Empfehlung aus dem Umfeld) vor dem Abitur abgesetzt – eine Entscheidung, die ich nach wie vor nicht bereue, auch wenn es nicht immer einfach ist. Meine ADHS- kinetischen Traits sind nach wie vor recht stark ausgeprägt und haben Einfluss auf mein tägliches Tun und Handeln.

Zum damaligen Zeitpunkt war die gängige Auffassung “entweder ADHS oder Autismus” – ein Verständnis, das überholt ist. Dadurch wurden viele autistische Traits übersehen bzw. “ADHS” zugeschrieben, obwohl sie rückblickend betrachtet sehr offensichtlich sind.

Ich bin irgendwann 2022-2023 das erste Mal auf den Begriff AuDHS gestoßen und habe daraufhin angefangen, mich intensiv mit aktuellen Ressourcen zu Autismus auseinanderzusetzen, was mein Selbstverständnis gehörig durchgerüttelt hat. Das Bewusstsein für den eigenen Neurotyp und die dazugehörigen Ressourcen sind oft ein Game Changer. Für mich hat es ein aktives Unmasking in Gang gesetzt, welches eine Euphorie hervorgebracht hat, die mindestens nochmal auf dem Level meiner nonbinary Gender Euphoria ist – für mich ist beides untrennbar, aber das führt an dieser Stelle zu weit. 2025 erhielt ich dann auch meine Autismus-Diagnose.

Ich stehe seit geraumer Zeit im aktiven Austausch mit Betroffenen, leite Austauschrunden und gebe Workshops sowohl innerhalb, als auch auĂźerhalb der queeren- und Kinkszene sowie im professionellen Kontext.

Meine Ressourcenempfehlungsliste und Erfahrungen sind aus der Sicht einer kinetischen und autistischen Person geschrieben, die bislang trotz “ADHS”-Bewusstseins meist ziemlich maskierend durchs Leben gegangen ist. Ich habe massives Mobbing und Othering erlebt, die meiste Zeit weitgehend einsam verbracht (in sozialen Settings “introvertiertes” kinetisches Menschlein, jaja, alles klar), mit dem Gefühl, dass kein Mensch der Welt mich wirklich versteht. Meltdowns, Shutdowns und alles drum und dran. Eigentlich ein Wunder, dass ich nicht irgendwann lang anhaltende Depressionen bekommen habe.

Dennoch habe ich ein abgeschlossenes Studium und kriege es dank bestimmter glĂĽcklicher Rahmenbedingungen halbwegs hin, einem Vollzeit-IT-Job nachzugehen.

Dies ist in dieser Form nur durch dieses Bewusstsein meinerseits möglich. Außenstehende sehen meist nur die Oberfläche, jedoch nicht den Eisberg, die Shutdowns, den Struggle – und bewerten ausschließlich anhand dieser Oberfläche.

Diese Privilegien haben nicht alle. Autist:innen, die in vielen Bereichen hohe Support Needs haben, sind in vielen Diskursen häufig unterrepäsentiert. Insbesondere solche, welche von Mehrfachmarginalisierung betroffen sind.

Wir brauchen Ressourcen aus der Sicht von Betroffenen für Betroffene. Außerdem ist zu bedenken, dass individuelle Erfahrungen von Person zu Person mitunter sehr stark variieren können.

Hinweise zu Selbstidentifikationen

Selbstidentifikation in Bezug auf Autismus ist ziemlich akkurat, insbesondere wenn bereits eine ADHS-Diagnose vorliegt. Je nach Studie erfüllen 20-50% der “ADHS”ler:innen die Kriterien für Autismus und 30-80% der Autist:innen die Diagnosekriterien für “ADHS”. Die Zahlen schwanken je nach Erhebung deutlich, aber eines zeigen sie durchgängig: der Overlap ist massiv, die Diagnostik in der Praxis und das Wissen um die gegenseitige Maskierung hängen noch immer stark hinterher (siehe bspw. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20148275/).

Selbstidentifikation in Bezug auf ADHS (ohne vorherige Autismus-Diagnose) hat höhere Fehlerquoten. Dennoch ist es für viele der (notewendige) erste Schritt zu einer intensiveren Auseinandersetzung und uU auch späterer Diagnostik.

Aus diesen GrĂĽnden ist es mir wichtig zu betonen, dass ich Selbstidentifikationen in Bezug auf Autismus und ADHS ausdrĂĽcklich unterstĂĽtze, sofern sie mit hinreichender inhaltlicher Auseinandersetzung einhergehen.